Mit Highspeed über die Datenautobahn

Kupferleitung vs. Glasfaser: Das Rennen ist entschieden. Foto: iStock.

Das Netzwerk der Zukunft

5G, Virtual Reality, Industrie 4.0 - der Datenhunger wächst. Doch wie stabil ist das Tiroler Netzwerk und wie wird es in Zukunft aussehen? Wir haben bei Arno Abler, Geschäftsführer der Breitbandserviceagentur Tirol, nachgefragt.

Ob Videokonferenzen, Unterricht über Zoom oder Remote Work mittels VPN – während des Corona-Lockdowns stand nicht nur die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Mitarbeitern auf dem Prüfstand. Auch unser Netzwerk wurde stark beansprucht. Spätestens jetzt zeigte sich, wie wichtig eine stabile Internetverbindung ist. Denn die Zeiten, in denen 30 Mbit/Sekunde ausreichend waren, sind vorbei. Das bestätigt auch Arno Abler. „Dort, wo bereits Glasfaser im Einsatz ist, gab es während des Lockdowns keinerlei Einschränkungen bei der Internetgeschwindigkeit. Aber speziell abgelegene Gegenden und Täler hatten mit ein paar Schwierigkeiten zu kämpfen.“ Für ihn ein klares Zeichen, dass Kupfernetze langsam aber sicher an ihre Grenzen stoßen. Langfristig betrachtet werden sie demnach den neuen technologischen Ansprüchen nicht vollends gerecht werden können.

Netzwerk kommunal errichten
Als 100%iges Tochterunternehmen des Landes Tirol verfolgt die Agentur rund um Arno Abler und dessen Team ein klares Ziel. „Wir möchten die Glasfaserinfrastruktur kommunal errichten, damit die Tiroler Gemeinden das Netzwerk den Providern zur Verfügung stellen – zu fairen Bedingungen und gleichen Konditionen“, so der Geschäftsführer. Davon profitieren die Gemeinden und Anbieter gleichermaßen, schließlich lassen sich so auch abgelegene Dörfer und Täler erschließen. Hinzu kommen große Störfaktoren beim aktuell verbauten Kupfernetz, wie etwa hohe Dämpfungswerte oder die zwingend notwendige Stromversorgung auf der Übertragungsstrecke. „Man denke nur an den Tourismus. Fällt beispielsweise wegen eines Unwetters der Strom an kritischer Stelle aus, stehen unsere Hoteliers vor einem echten Problem“, weswegen für Arno Abler langfristig betrachtet nur Glasfaser ein stabiles Netzwerk gewährleisten könne.

Glasfaser vs. Kupfernetz
Doch woran liegt das? Im Gegensatz zu den Kupfernetzen ist Glasfaser passiv und auf der Übertragungsstrecke nicht auf Strom angewiesen. Auch die Länge der zurückgelegten Strecke hat keinen Einfluss auf die Übertragungsgeschwindigkeit – ein weiterer wichtiger Faktor, der die Stabilität unseres Netzwerkes sicherstellt. Auch bei der Übertragungsgeschwindigkeit ist der Unterschied spürbar. Während herkömmliche Kupfernetze aktuell ca. 100 bis 150 Mbit/Sekunde erreichen, gibt es bei Glasfaser praktisch keine Grenze nach oben. Und das ist auch zwingend notwendig, denn die Anforderungen an unser Netzwerk wachsen. 5G, Virtual Reality, Echtzeit-Daten, Industrie 4.0 – sie alle verlangen ein Mehr an Daten und Geschwindigkeit.

Netzabdeckung in Tirol
„Aus heutiger Sicht hält ein Glasfaserkabel mindestens 50 Jahre“, weiß Arno Abler. Doch auch bei dieser Technologie kommt es derzeit noch zu Beschädigungen aufgrund von Baumaßnahmen, etwa wenn das Kabel durchtrennt wird. Um das in Zukunft zu verhindern und damit die Stabilität des Netzwerkes zu optimieren, arbeiten der Agenturchef und sein Team an einer digitalen Dokumentationsplattform. Sie macht nicht nur die Netzabdeckung in Tirol lückenlos ersichtlich, sondern zeigt auch auf, wo genau welche Leitungen verlegt sind. Bereits mit Ende 2020 ging die Plattform in den Testbetrieb. Sollte es dennoch zu Störungen kommen, steht rund um die Uhr ein einsatzbereiter Entstördienst zur Seite. 365 Tage im Jahr werden so in ganz Tirol etwaige Probleme behoben und das Netz laufend gewartet.

Unterstützung bei der Netzwerk-Errichtung
„Es ist wichtig, dass die langfristigen Auswirkungen berücksichtigt werden“, betont Abler. Denn selbst, wenn Gemeinden derzeit noch mit ihrem lokalen Kupfernetz zufrieden sind, wird es den hohen Ansprüchen in den nächsten Jahren nicht standhalten können. „Im schlimmsten Fall ziehen sich Unternehmen von kleinen Gemeinden zurück, weil die Datengeschwindigkeit nicht ausreicht und das den Betrieb stört.“ Die Errichtung einer neuen Netzwerk-Infrastruktur ist zudem zeitintensiv, weswegen es sich empfiehlt, bereits heute offene Gräben gleich mit Glasfaserleerrohren zu bestücken – das spart auch Kosten. Tatkräftige Unterstützung erhalten die Gemeinden dabei von der Breitbandserviceagentur Tirol und dem Land Tirol. Bis dato wurden rund 100 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung gestellt.

Zurück