Was kann Poparazzi?

Alles neu oder Dasselbe in grün? Foto: c_iStock_Orbon Alija

Der Anti-Selfie Selfie-Club

Der Anti-Selfie Selfie-Club: So bezeichnen zumindest die Entwickler ihre Social-Media-App, die in kürzester Zeit einen regelrechten Hype ausgelöst hat. Zugegeben, optisch erinnert der Newcomer schon sehr an die große Konkurrenz Instagram. Zufall?

Wohl kaum, denn Poparazzi ist nichts weniger als eine Kampfansage an das Facebook-Unternehmen und überrascht vor allem mit Anti-Funktionen, anstatt mit neuen Spielerein. Was ist also dran an der neuen Plattform und warum trifft sie womöglich den Nerv der Zeit? Wir haben es für Sie herausgefunden.

Kein Zutritt für Selbstdarstellung
Teenager, die vor fremden Hauseingängen stehen und ihrer Smartphone-Kamera einen perfekt inszenierten Schmollmund entgegenstrecken. Damit ist jetzt Schluss – zumindest in der neuen Hype-App Poparazzi. In den letzten zehn Jahren hätten sich unsere Social-Media-Feeds zunehmend mit einer inszenierten Perfektion gefüllt, so die Entwickler in einer offiziellen Mitteilung zum Launch der App. Das Ergebnis: ein Wettbewerb um Aufmerksamkeit, den niemand gewinnen kann. Um dem ein Ende zu bereiten, setzt das Start-up TTYL aus Los Angeles auf Authentizität. Das heißt keine Likes, keine Follower-Zahlen, keine Filter, keine Bildunterschriften und vor allem keine Selfies.

Wie funktioniert die Poparazzi-App?
„We built Poparazzi to take away the pressure to be perfect. We did this by not allowing you to post photos of yourself, putting the emphasis where it should’ve been all along: on the people you’re with. On Poparazzi, you are your friend’s paparazzi, and they are yours.” In der Praxis bedeutet das: Die User können ihr eigenes Profil nicht befüllen, sondern posten stattdessen Fotos ihrer Freunde auf deren Seiten. Klingt irgendwie befremdlich, ist es auch. Denn waren die User bisher damit beschäftigt, sorgsam ihre Selfies auszuwählen, zu retuschieren und zu optimieren, haben jetzt andere die Kamera in der Hand. Und Poparazzi geht sogar noch einen Schritt weiter, indem die App den Zugriff auf die Frontkamera per se verwehrt. In letzter Instanz kann aber die Person, die auf dem Bild zu sehen ist, dieses auch jederzeit löschen bzw. vorab das Bild ablehnen.

Trifft Poparazzi den Zeitgeist?
Bei Poparazzi gehe es darum, echte Momente festzuhalten und zu teilen, anstatt perfekte für mehr Likes zu inszenieren. Zudem könnten Freunde über die Plattform ungezwungen in Kontakt bleiben, ohne einem ständigen Wettstreit ausgesetzt zu sein. In der Theorie hört sich das ziemlich gut an und trifft augenscheinlich den Nerv der Zeit. Denn gerade jetzt, nach Monaten des Social-Distancing und der Verlagerung vielfältiger Aktivitäten in den digitalen Raum können es doch die meisten Menschen kaum erwarten, endlich wieder rauszugehen und Freunde ganz real zu treffen. Auf Schnappschüsse möchte man dabei trotzdem nicht verzichten. Doch anstatt diese über die x-te Whats-App-Gruppe zu teilen, könnte Poparazzi auch für ältere User eine unterhaltsame Alternative sein.

Achtung Datenschutz
Wäre da nicht der Datenschutz. Denn diesbezüglich kann die Anwendung leider nicht ganz überzeugen. Bei der Installation verlangt sie nach der Telefonnummer des Users und fordert diesen zudem auf, automatisch alle Telefonbuch-Kontakte in die App hochzuladen. Eine Vorgehensweise, bei der Datenschützer aufhorchen und für die zuletzt auch die Audio-App Clubhouse scharf kritisiert wurde. Wir bleiben dennoch gespannt, ob Poparazzi tatsächlich das nächste große Ding sein wird.

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