Andrea Schmoranzer-Jerabek, General Managerin von L´Oréal Luxe Österreich

„Mit Digitalisierung ist alles möglich“

 Bildnachweis: © Wirtschaftskammer Tirol

Loreal

Andrea Schmoranzer-Jerabek ist General Managerin von L´Oréal Luxe Österreich. Sie spricht über ihre Rolle an der Spitze des bekanntesten Kosmetikkonzerns unserer Zeit, Digitalisierung als Kommunikationstool und Tirol als Sehnsuchtsort.
 

L’Oréal ist Weltmarktführer im Kosmetikbereich mit einem Jahresumsatz von über 25 Mrd. Euro und 90.000 Mitarbeitern. Die L’Oréal-Gruppe ist in allen Kosmetiksegmenten mit internationalen Marken vertreten und verfügt über ein Angebot, welches alle Bereiche der Kosmetik abdeckt. Mit rund 30 Millionen verkauften Produkten ist L’Oréal auch in Österreich das führende Kosmetikunternehmen. Andrea Schmoranzer-Jerabek war die erste weibliche Verkaufsdirektorin von L‘Oréal weltweit und ist mittlerweile seit mehr als zehn Jahren General Managerin von L’Oréal Luxe Österreich.
 

Frau Schmoranzer-Jerabek – Sie sind seit über 20 Jahren bei L´Oréal, was macht das Unternehmen so reizvoll?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: 3 Worte: Abwechslung, mein Team und die Marken.
 

Worin liegt Ihr Erfolg als General Managerin?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Ich bin sehr diszipliniert. Was ich mache, mache ich mit 100 Prozent Leidenschaft. Ein Häuferl Glück gehört auch immer dazu, aber ich bin auch sehr ziel- und erfolgsorientiert. Ich komme jeden Tag gerne ins Büro und unterhalte mich mit meinem Team – das ist unbezahlbar.
 

Was sind die größten Herausforderungen, denen Sie sich täglich stellen?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Das ist die Vielseitigkeit, mit der mein Job einher geht. Die Luxusdivision umfasst verschiedenste Marken wie Girogio Armani und Lancome oder Kiehl´s. Wir versuchen jeden einzelnen Baustein zu sehen und zu fördern. Die Abwechslung ist gleichzeitig auch die schöne Seite an meinem Beruf. Auf einem Armani-Event trifft man wieder ganz andere Menschen als bei einem Kieh´s-Event. Hierfür muss man offen sein.
 

Wie hat die Digitalisierung den Kosmetiksektor verändert?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Es liegt in meiner Verantwortung als Führungskraft mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und mich weiterzubilden. Ich wehre mich gegen die Ansicht, dass die digitale Transformation Jobs wegnimmt. Im Gegenteil, wir haben allein in den letzten zwei Jahren sieben neue Mitarbeiter im Bereich Social Media eingestellt. Wir müssen uns das Know-how aneignen – daran führt kein Weg vorbei.
 

Wie gehen Sie mit sogenannten Influencern und auch Bloggern um?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Hier schauen wir sehr genau, wer professionell arbeitet und wie wir auf Postings antworten. Da müssen ganz klare Strukturen und Richtlinien vorhanden sein. Beantworten wir ein Kommentar nicht richtig, kann das ganz schnell den Ruf der Marke beeinflussen. Ein Schwerpunkt ist hier natürlich auch e-Commerce – bei bestimmten Produkten machen wir schon einen großen Teil des Umsatzes damit. Die Digitalisierung ist sehr komplex, aber machbar. Man muss sich dafür interessieren. Bis 2020 haben wir das Ziel, 20 Prozent des Umsatzes online zu generieren.
 

Wie suchen Sie neue Mitarbeiter aus?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Wir wollen keine Einzelkämpfer, wir wollen Leute, die im Team arbeiten und sich gegenseitig unterstützen, die eine Leidenschaft mitbringen und bei denen wir ein Feuer und eine Leidenschaft am Job spüren. Bei L´Oréal wird die Vorstellung einer strengen Firmenhierarchie als vollkommen veraltet betrachtet. Beste Ergebnisse werden im Team erzielt, wenn man menschlich und auf Augenhöhe miteinander umgeht. Wir wollen keine Mitarbeiter, die nur das tun, was ihnen gesagt wird. Wir wollen Menschen in unserem Team, die selbstständig denken, kreativ sind und miteinander kommunizieren. Die Zeiten der „grauen Eminenz“ ist bei uns vorbei.
 

Wie ist die neue Generation Y?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Junge Leute sind heutzutage ganz anders. Die gehen nicht mehr im ersten Job in Pension. Die Life-Work-Balance spielt hier wieder eine viel größere Rolle, nicht die Bezahlung. Die Ethik des Unternehmens ist wichtig, Nachhaltigkeitskriterien und das Team-Klima.
 

Nächste Ziele?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Das Wort „Rabenmutter“ gibt es nur im deutschen Sprachgebrauch. Ich möchte bei uns im Unternehmen noch mehr dazu beitragen, dass Frauen ohne Probleme nach der Karenz wieder zurück in den Job kommen können. Wir müssen hier noch viel mehr in die Rahmenbedingungen investieren, dass Frauen viel bessere Chancen und Unterstützung bekommen. Mein Mann hat mir immer den Rücken frei gehalten, das war nie eine Frage.  Ich bin wieder zur Arbeit gegangen und er hat sich um unseren Sohn gekümmert. Darauf sind wir auch sehr stolz. Und das versuchen wir auch unserem Sohn mitzugeben, dass die gegenseitige Unterstützung das Um und Auf ist.
 

Persönlicher Luxus?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Meine Familie kommt mütterlicherseits aus Tirol und ich liebe die Berge, den Winter und die Natur. Ich habe während des Studiums in Tirol gearbeitet, in Zirl im Zirler Weinhof, das war damals noch ein Restaurant. Ich komme immer gerne hierher, das ist wie ein Kraftort für mich.
 

Sie sind Genera Managerin der Luxusdivision eines Beauty-Labels. Übt es einen gewissen Druck auf Äußerlichkeiten aus?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Ich schaue auch nicht immer wie aus dem Ei gepellt aus. Ich betone gerne die Augen – denn sie sind die Tür zur Seele – und verwende gerne einen Lippgloss. Das reicht und ich finde, die Schönheit kommt von innen. Durch die Pflege bekommt man automatisch ein besseres Selbstbewußtsein und das strahlt man auch aus. Diese Philosophie vertritt auch L´Oréal.
 

Persönliches Credo?

Andrea Schmoranzer-Jerabek: Sei wie du bist und sei es ganz!
 

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