Menschlichkeit als Erfolgskonzept für technologische Entwicklungen

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Digitaler Humanismus: Technologischer Fortschritt mit Herz

Im Arbeitsalltag, in der Freizeit, in der Bildung und über alle Generationen hinweg - es gibt kaum einen Bereich, der von der fortschreitenden Digitalisierung unberührt bleibt. Lange Zeit standen dabei Diskussionen rund um die neuen Möglichkeiten durch den Einsatz von Daten und Technologie im Vordergrund. Heute verschiebt sich der Fokus in den Fragestellungen vermehrt in Richtung damit verbundener Ethikfragen und wie und weshalb digitale Lösungen das menschliche Handeln und Denken beeinflussen sollen. Digitaler Humanismus ist ein in diesem Kontext immer häufiger auftretender Begriff.

Was ist Digitaler Humanismus?
Digitaler Humanismus hat als Ziel, das Leben des Menschen durch Technologien zu verbessern. Der Ansatz befasst sich damit, wie Humanität in die digitale Welt einbezogen werden kann, und betrachtet soziale sowie gesellschaftliche Auswirkungen durch den Einsatz und Umgang mit Technik. Im Unterschied zu anderen Herangehensweisen steht dabei der Mensch im Fokus der technologischen Entwicklungen – eine soziale digitale Zukunft wird verfolgt. Dieser Ansatz plädiert für eine sorgfältige Abwägung zwischen Chancen und ethischen Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung. Er erinnert daran, nicht nur darauf zu achten, wie Technologie unser Leben erleichtert, sondern auch darauf, wie diese Entwicklungen moralisch vertretbar sind und wie sie die Gesellschaft beeinflussen.

Ein Beispiel, das im Einklang mit den Grundsätzen des Digitalen Humanismus steht, ist eine digitale Lösung, welche die Gesundheit von Senior:innen überprüft, ohne ihre Privatsphäre zu verletzen. Hierbei überwachen Sensoren und Kameras den Zustand der Menschen kontinuierlich, was ihnen ermöglicht, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. Im Sinne des Digitalen Humanismus bereichert die Technologie also das Leben der überwachten Menschen, während gleichzeitig ethische Aspekte berücksichtigt werden.

Ursprung des Konzepts 
Das Aufkommen des Digitalen Humanismus lässt sich aus facettenreichen Diskussionen der digitalen Ära ableiten. Diese Idee ist das Ergebnis zahlreicher Gespräche in der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft. In Wien hat der Digitale Humanismus besonders Zuspruch gefunden. Seit 2019 befasst sich Wien intensiv mit dem Thema und veröffentlichte im selben Jahr das „Wiener Manifest für Digitalen Humanismus“, das als „Aufruf zum Nachdenken und Handeln angesichts der aktuellen und zukünftigen technologischen Entwicklung“ zu verstehen ist.

Der Ursprung des Digitalen Humanismus reflektiert auch die Notwendigkeit, Menschen zu befähigen, in der digitalen Gesellschaft erfolgreich zu agieren. Dies erfordert ein neues Konzept, das Technologiekompetenz, Datenanalysefähigkeiten und menschliche Kompetenzen kombiniert. 

Digitales Problembewusstsein
Die Auswirkungen der Digitalisierung sind vielschichtig. Einerseits erleichtert sie das Leben in vielerlei Hinsicht. Sie macht Wissen und Bildung zugänglicher, optimiert den Alltag und ermöglicht effiziente Arbeitsprozesse. Andererseits gibt es jedoch berechtigte Bedenken, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz. 

Neben dem Nutzen für den Menschen werden im Rahmen des Digitalen Humanismus die Risiken durch den Einsatz von Digitalisierung betrachtet. Vor allem die zunehmende Sammlung und Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen oder die Regierung stellen die Privatsphäre und Sicherheit der Bevölkerung in Frage. 

Das damit verbundene „digitale Problembewusstsein“ spiegelt sich auch auf politischer Ebene wider, sodass die Außenminister von Österreich, Tschechien sowie der Slowakei 2021 die „Poysdorfer Erklärung zum Digitalen Humanismus” unterschrieben haben. Dieses Regierungsprogramm setzt sich für eine ethische Nutzung der digitalen Technologien ein. Das Abkommen betont, dass menschliche Werte im Zusammenhang mit digitalen Themen immer wichtiger werden und die Menschlichkeit dabei nicht aus den Augen verloren gehen darf. Aspekte wie beispielsweise der Schutz von personenbezogenen Daten durch Digitalen Humanismus gelten als Wettbewerbsvorteil der Zukunft und sollten zu einem zentralen Anliegen für Unternehmen gemacht werden.

Was passiert in Zukunft?
Tirol hat sich bereits auf den Weg gemacht, den Digitalen Humanismus als Leitprinzip für eine vielversprechende digitale Zukunft zu etablieren. In St. Jakob im Defereggental fand dazu etwa das N'Cyan-Gipfeltreffen statt, bei dem das Vorherrschen von Denkweisen im Sinne des Digitalen Humanismus in Tirol reflektiert wurde. Es verdeutlicht, dass Tirol nicht nur in Chancen der Technologie investiert, sondern auch sicherstellt, dass diese im Einklang mit menschlichen Werten und Bedürfnissen steht. 

Die Digitalisierung wird zweifellos weiterhin unser Leben prägen. Der Digitale Humanismus jedoch wird sicherstellen, dass dies auf eine Weise geschieht, die die Menschlichkeit bewahrt und fördert. In einer Welt, in der Technologie immer präsenter wird, ist der Digitale Humanismus ein Maßstab, der daran erinnert, dass Menschlichkeit der Schlüssel zum Erfolg in technologischen Entwicklungen ist. 

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Links
>> Institut für die Wissenschaften vom Menschen: Digitaler Humanismus
>> Digitaler Humanismus in Wien
>> Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds: Akteure, Instrumente und Themen für eine Digital Humanism Initiative in Wien
>> TU Wien: Vienna Manifesto on Digital Humanism
>> Wiener Manifest für digitalen Humanismus
>> Poysdorfer Erklärung zum Digitalen Humanismus
>> digital.tirol: N'Cyan-Gipfeltreffen

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MMag. Fritz Fahringer

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