Unternehmen, die noch in den digitalen Startlöchern stehen, profitieren von niederschwelligen Vernetzungsangeboten und kommen in den Genuss attraktiver Bundes- und Landesförderungen.

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Tirol 2026: Das digitale Ökosystem blüht

Der umfangreiche Katalog an KI- und Digitalisierungsmaßnahmen in Tirol wird in enger Kooperation aller Beteiligten umgesetzt. Dazu gehören das Land Tirol, die Standortagentur Tirol, die Wirtschaftskammer Tirol, die Industriellenvereinigung Tirol, diverse Cluster, Universitäten, Fachhochschulen und Data-Hubs. Leuchtturmprojekte in den verschiedensten Bereichen repräsentieren den erfolgreichen Weg. Unternehmen, die noch in den digitalen Startlöchern stehen, profitieren von niederschwelligen Vernetzungsangeboten und kommen in den Genuss attraktiver Bundes- und Landesförderungen.

Ein Blick auf alles

Der flächendeckende Ausbau des Breitbandnetzes gehört zu den großen Themen. Die Breitband-Serviceagentur (BBSA), eine 100-prozentige Tochter des Landes, propagiert das „Tiroler Modell“. Damit bauen Gemeinden eine kommunale Glasfaser-Infrastruktur auf. Als kostenloser Berater fungiert die BBSA; das Land unterstützt ebenso. Im „Breitband-Masterplan Tirol“ sind die Zielvorgaben definiert: bis 2028 lückenloser Ausbau, Weiterentwicklung der Serviceagentur und Vernetzung öffentlicher Dienststellen.

Offene Verwaltungsdaten bietet Open Government Data (OGD) des Landes Tirol. Die frei verwendbaren Datensätze stammen aus den Sektoren Verkehr, Bildung, Kultur, Sport, Regierung, Umwelt und Städte. Die Informationen stehen unter der Lizenz CC BY 4.0, die das Teilen und Bearbeiten unter Namensnennung erlaubt. Besonders interessant sind die GIS-Datensätze im OGD-Geodaten-Portal. Sie enthalten umfangreiche Angaben zu Orthofotos, Meereshöhen, Bewirtschaftungs- und Siedlungsgebieten, Biotopen, Bodennutzung u. v. m.

Die Standortagentur Tirol begleitet Unternehmen, Forschungsvorhaben, Gemeinden und Regionen bei Gründungs-, Expansions- und Digitalisierungsvorhaben. Sie konzentriert sich dabei auf das Kompetenzdreieck aus Digitalisierung, Gesundheit und Kreislaufwirtschaft. Sie betreibt zugleich die Cluster „Erneuerbare Energie“, „Informationstechnologien“, „kreativland.tirol“, „Life Sciences“, „Mechatronik“ und „Wellness & Wohlbefinden“. Sie bieten optimale Bedingungen, um im Verbund innovative Ideen, Produkte, Services und Prozesse zu entwickeln.

Mit zurzeit 4,8 Millionen Aktivierungen und mehr als 5.500 abgehaltenen Workshops in Gemeinden zählt Digital Austria zu den herausragenden Maßnahmen. Den Hintergrund bildet der Digital Austria Act 2.0 für eine österreichweit abgestimmte Digitalisierungsstrategie. Kritische Services – wie etwa die Verwaltung – basieren auf europäischer Technologie und offenen Standards. Der hochsichere Zugang zu den essenziellen Diensten wird ermöglicht über die ID Austria, dem österreichischen digitalen Identitätsnachweis.

Digital.tirol ist das umfassende Netzwerk, in dem Standortagentur Tirol, Industriellenvereinigung Tirol, Lebensraum Tirol Holding und Wirtschaftskammer Tirol und die Fachgruppe UBIT gemeinsam die digitale Transformation im Land mit den Schwerpunkten Künstliche Intelligenz, Daten, neue Technologien sowie der Entwicklung von New Skills gezielt vorantreiben. Es fungiert als Nährboden, auf dem sämtliche Tiroler Digitalisierungsstrategien und Initiativen zusammenwachsen, sich weiterentwickeln und gegenseitig stärken können. Die Chancen der digitalen Transformation sollen für alle Altersgruppen in unterschiedlichsten Lebensbereichen nutzbar gemacht werden.

Datahub.tirol, Europas erster EU-konformer regionaler Dataspace, ermöglicht den sicheren und fairen Datenaustausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Im Fokus stehen Datenökonomie, Datensouveränität und standardisierter Austausch (Interoperabilität). Zum Teilen von Data Assets sind Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie öffentliche Institutionen eingeladen. Die Bedingungen hierfür sind klar vorgegeben und transparent.

European Digital Innovation Hubs (EDIHs) entstehen aus dem Digital Europe Programme. Die Strategie verfolgt die Implementierung digitaler Technologien in der Wirtschaft, schwerpunktmäßig werden KMU angesprochen. 150 derartiger EDIHs exzitieren bereits auf dem Kontinent. Sie forcieren u.a. Testläufe, Prototyping, Pilotversuche, Demonstratoren, Schulungsprogramme, Investor:innenmatching, cross-regionalen Technologietransfer und gemeinsame digitale Infrastrukturen für KMU. Zu ihren digitalen Kerntechniken gehören Künstliche Intelligenz, Big Data, Daten-Analyse, Cloud Services, HighPerformance Computing, Internet of Things, Blockchain und Software-Architektur. Bei den industrienahen Technologien konzentrieren sich EDIHs auf Robotik, Automatisierung, additive Fertigung und Simulation. Die Projekte zielen auf Sektoren wie Fertigung, Energie, Klima, Gesundheitswesen, Kreativwirtschaft, Landwirtschaft, Logistik, Bauwesen und öffentliche Verwaltung ab.  

Das österreichweite Netzwerk der Digital Innovation Hubs umfasst derzeit sieben Hubs – drei nationale Digital Innovation Hubs (DIHs) sowie vier European Digital Innovation Hubs (EDIHs) – mit insgesamt rund 90 beteiligten Partner:innen.

Der DIH West agiert dabei als zentrale Schnittstelle für Unternehmen in Salzburg, Tirol und Vorarlberg und macht den Wissenstransfer aus Universitäten und Forschungseinrichtungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) niederschwellig zugänglich. Ziel ist es, aktuelles technologisches Know-how, digitale Kompetenzen und anwendungsnahe Innovationen in die betriebliche Praxis zu bringen. Die Angebote reichen von Qualifizierungsmaßnahmen und digitalen Skills über Industrie-4.0-Anwendungen bis hin zur konkreten Unterstützung bei der Einführung neuer digitaler Technologien und Verfahren.

Als nationale Initiative zur nachhaltigen Etablierung eines österreichischen KI-Ökosystems sieht sich die AI Factory Austria (AI:AT). Ihr Ziel ist es, ökonomisch verwertbare KI‑Applikationen zu entwickeln.“  Unterstützt wird dieses Anliegen durch Supercomputing-Infrastruktur, maßgeschneiderten Support und ein mächtiges Partner-Netzwerk. Der Factory zur Seite steht European High Performance Computing Joint Undertaking (EuroHPC), das sich auf die Entwicklung eines global führenden Systems für das Hochleistungsrechnen, Quanteninformatik und Dateninfrastruktur spezialisiert hat. Einsatz findet das Hochleistungsrechnen beispielsweise in der medizinischen Forschung, bei der Überwachung des Klimas, bei Maßnahmen gegen Cyberkriminalität und bei der Steigerung der Sicherheit im Netz. Die AI Giga Factory, ebenfalls eine EU-Initiative, ist eines von fünf Hochleistungs-Rechenzentren für KI-Training und -Anwendungen in Europa. Als Standort hat sich die Stadt Wien ins Spiel gebracht. Betrieben wird dann ein großindustrielles Rechenzentrum mit mehr als 100.000 KI-Prozessoren in einer ESG-konformen Infrastruktur Umwelt (environmental – social – governance) unter dem Gesichtspunkt absoluter digitaler Souveränität. Die entstehende Prozesswärme wird ins Fernnetz rückgeführt.           

Hochschulen und Forschungsinstitutionen sind integraler Bestandteil des digitalen Ökosystems. Die Universität Innsbruck etwa bietet unter dem Dach „Digitalisierung und KI“ Uni-Lehrgänge, Kurse, Weiterbildungen und Schulungen an, beispielsweise AI-driven Leadership, Automatisierung mit KI und AI Writing. Das MCI betreibt das Zentrum für Produktion, Robotik und Automatisierung mit dem Ziel, aktuell entstehende Technologien herstellerneutral verfügbar zu machen. Mit dem Zertifikatslehrgang „Business AI Basics“ erhalten Teilnehmer:innen das Rüstzeug für praktische KI-Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Das KI-Kompetenzzentrum an der FH Kufstein versteht sich als Partner bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz im ökonomischen Umfeld. Es setzt auf individuelle Beratung, Entwicklung im Team, Forschung und Etablierung. Angeboten werden praxistaugliche Schulungen, einführende Kurse und Zertifizierungen. Die ständige Evaluierung von KI-Plattformen und -Frameworks sorgt für Know-how „State of the Art“. UMIT Tirol, die Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften und -technologie mit Sitz in Hall i. T., bildet Digitalisierungsfachleute für das Gesundheitswesen aus. Angeboten werden ein Masterstudium für medizinische Informatik, der Universitätslehrgang Information Management sowie der Kurs eHealth und Digitale Transformation. Hochschulen in Westösterreich bilden zusammen mit Fraunhofer Austria eine starke Forschungsbasis, die im Digital Innovation Hub West (DIH West) als Partnernetzwerk gebündelt wird. Damit wird für KMU der Zugang zu Know-how, Infrastruktur und Digitalisierungskompetenz ermöglicht. Die daraus entstehenden Services – etwa Workshops, Beratung und Vernetzung – unterstützen Unternehmen gezielt bei ihrer digitalen Transformation. Bevorzugte Branchen des DIH West sind Produktion, Tourismus und Software-Engineering.

Sichtbare Kompetenzfelder

Im letzten und im laufenden Jahr wurden einige komplexe Konzepte erfolgreich umgesetzt. Datenökonomie und Künstliche Intelligenz stehen im Mittelpunkt des Blogs und des Digitalreports 2025_1 von digital.tirol. KI, Robotik und Automatisierung werden im MCI PRA sowie in den Workshops des DIH West gefördert. Mit Programmen und Projekten aus digitaler Gesundheit und KI in der Medizin avanciert die Tiroler Privatuniversität UMIT zum Brückenbauer zwischen Theorie und Praxis. Der Cluster IT Tirol, genutzt von mehr als 100 Unternehmen, setzt seine digitalen Schwerpunkte auf Software-Engineering, Datenverarbeitung, Beratung, Service, Schulung, Kommunikation und Verkauf.

Nutzen für Unternehmer:innen

Vernetzung und der Austausch von Wissen machen die Stärke der digitalen Tiroler Landschaft aus:

  • DIH West ist ein Zusammenschluss von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Standortagenturen und Interessensvertretungen aus Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Die Partnerschaft ist breit gefächert und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen in Westösterreich bei der Transformation und dem Aufbau digitaler Kompetenz. Zu den zentralen Playern gehören die Universität Innsbruck, die Fachhochschulen Kufstein, Salzburg und Vorarlberg, das MCI – Management Center Innsbruck, die Universität Salzburg sowie UMIT Tirol (Projektleitung 2020 – 2022). Als Forschungseinrichtung wirkt Fraunhofer Austria Research GmbH mit. Die Standortagentur Tirol GmbH (Lead des Gesamtprojektes), Innovations- und Technologietransfer Salzburg sowie die Wirtschafts-Standort Vorarlberg Betriebsansiedlungs GmbH gehören ebenfalls zum Verbund. Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung sind als assoziierte Mitglieder angeschlossen. Das mächtige Team ermöglicht eine umfassende thematische Abdeckung bei Künstlicher Intelligenz, Datenanalyse, Cybersecurity, Innovationsprozessen und branchenspezifischer Kompetenz.
  • Cluster IT Tirol: Mit dem „Kompetenzatlas“ legt das Tiroler Clusterprogramm ein Mitgliederverzeichnis vor. Dort finden sich genau jene Kontakte, die bei Transformation und Innovation unterstützen. Die Bindung der Clusterpartner erfolgt durch strategische Allianzen. Regelmäßig werden aktuelle Trends, Herausforderungen und internationale Themen diskutiert.
  • Digital.tirol: Die zentrale Initiative des Landes Tirol unterstützt Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Privatpersonen bei der digitalen Transformation. Sie bündelt wichtige Angebote, vernetzt Kompetenzen und macht nationale sowie internationale Förderungen transparent. Digital.tirol ist der treibende Motor aus der Tiroler Digital-Strategie. Das Expert:innen-Netzwerk setzt sich zusammen aus der Standortagentur Tirol, der Industriellenvereinigung Tirol, der Lebensraum Tirol Holding, der Wirtschaftskammer Tirol und der Fachgruppe UBIT.       
  • BBSA: Die Breitband-Service-Agentur des Landes Tirol bietet Webinare an, die auf die Bedürfnisse von Gemeinden abgestimmt sind. Vermittelt werden Grundlagen, Best-Practice-Beispiele, Trends und Empfehlungen. Ein Teil des vermittelten Spezialwissens stammt von Gastlektor:innen.
  • OGD Tirol: Die offenen Geo-Informationen dienen als Grundlage für datengetriebene Services in Kombination mit Künstlicher Intelligenz. Unternehmen, die beispielsweise Sportzubehör für Vereine vertreiben, klicken auf „Sportplätze“ und erhalten eine vollständige Übersicht der Tiroler Einrichtungen.

Chancen für den Handel

KMU mit stationären Lokalen und Filialen kommen in den Genuss des „Digital-Lotsen-Programmes“. Land Tirol, Wirtschaftskammer Tirol und Standortagentur Tirol unterstützen Handelsbetriebe bundeslandweit bei Digitalisierungs-Maßnahmen. Im Rampenlicht der Aktivitäten steht die Prüfung zeitgemäßer Strategien, die bei Bedarf mit IT-Expert:innen vor Ort besprochen werden: Wie wird mein Unternehmen online gefunden? Welche Vorteile bietet eine eigene Web-Präsenz? Online-Shop, ja oder nein? Wie kann ich die IT-Security erhöhen? Das Programm startete 2020 in einigen Tiroler Gemeinden, wurde wegen der hohen Nachfrage aber schon 2022 auf ganz Tirol ausgeweitet. Bis dato konnten mehr als 250 Projekte realisiert werden, 150 sind zurzeit in Arbeit. Aufgrund des anhaltenden Erfolges wird das „Digital-Lotsen-Programm“ bis 2027 verlängert. Land Tirol und Wirtschaftskammer Tirol erhöhen hierfür das Budget gemeinsam um 160.000 Euro. 

Gefördert vom Land

Mit der Aktion „Leuchtturmprojekte im Bereich Digitalisierung - mit Bezug auf digitale Souveränität“ setzt das Land mit dem Partner digital.tirol klare Anreize zum Handeln. Sie hilft den heimischen Betrieben, die richtigen Schritte in Richtung wirtschaftlicher Zukunft zu gehen. Die Unterstützung ist branchenübergreifend und umfasst auch Schulungen für Mitarbeiter:innen. Ein Antrag kann jedes zweite Jahr eingebracht werden. Abgerechnet werden Kosten für Planung, Implementierungsmaßnahmen und die Qualifizierung der Beteiligten. Die Höhe der Förderung hängt von der Größe der Firma ab. Übrigens: Bundesförderungen lassen sich gut mit der Tiroler Digitalisierungsförderung kombinieren. Aber – wie fast überall – gilt: „Test before invest“.

Kontakt; Land Tirol, Abteilung Wirtschaftsstandort, Digitalisierung und Wissenschaft, Tel. +43 512 508 2402, wirtschaft.wissenschaft@tirol.gv.at

 

Mit einem Klick zu:     

Breitband Service-Agentur (BBSA)            https://www.bbsa.tirol/
Open Government Data (OGD)                  https://www.tirol.gv.at/data/
Datahub Tirol                                               https://www.datahub.tirol/
Standortagentur Tirol                                  https://www.standort-tirol.at/

Cluster IT Tirol                                            
https://www.standort-tirol.at/cluster/cluster-/it#schwerpunkte

digital.tirol                            https://www.digital.tirol/page.cfm?vpath=index
Crowd in Motion                  https://www.crowd-in-motion.eu/#about
Alpine Tech Hub                  https://www.gmd.care/de/alpinetechhub

Universität Innsbruck                     
https://www.uibk.ac.at/de/universitaet/digitalisierung/ki-uni-innsbruck/

MCI Innsbruck                                
https://research.mci.edu/de/pra
https://www.mci.edu/de/weiterbildung/zertifikats-lehrgaenge/business-ai

Fachhochschule Kufstein                
https://www.fh-kufstein.ac.at/forschung/institute/ki-kompetenzzentrum

UMIT
https://www.top.tirol/karriere-news/experten-fuer-die-digitalisierung-im-gesundheitswesen

Digital Innovation Hub West (DIH West)

https://dih-west.at/
https://www.standort-tirol.at/cluster/netzwerke/dih-west
https://projekte.ffg.at/projekt/5121429

 

 

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