Bildnachweis: Trigonos

3D-Stadtmodell

3D-Stadtmodell von Schwaz

Maßarbeit in Schwaz

Wie hilfreich gesammelte Daten in der Praxis sind und was etwa die Stadt Schwaz damit anfangen kann, zeigt das Tiroler Unternehmen Trigonos. Die Vermessungsprofis fertigten innerhalb weniger Wochen ein exaktes 3D-Modell ihres Heimatortes an. So etwas gab es in Tirol bisher noch nie

Wenn in Schwaz jemand ein Haus bauen will, dann rückt Joachim Feldes mit seinem Team an: „Wir sind hier sozusagen der Haus- und Hofvermesser“, so der Geschäfts-führer bescheiden. Doch damit nicht genug, denn das Portfolio des Vermessungsdienst-leisters ist so facettenreich, dass es kaum in einem Satz beschrieben werden kann. Ob Baufirmen, Bergbahnen, Infrastruktur-betreiber oder Planungsbüros – Trigonos bietet innovative Lösungen für die unter-schiedlichsten Branchen an. „Dadurch, dass sich die Technologien in den letzten Jahren so rasant weiterentwickelt haben, hat sich auch unser Geschäftsfeld erweitert. Neben den klassischen Vermessungsbereichen können wir heute Leistungen wie Laser-scanning, Lasertracking, GPS-Vermes-sungen oder Geomonitoring abdecken“, erklärt Feldes. Auch Drohnen kommen bei Trigonos regelmäßig zum Einsatz, wie das aktuelle Großprojekt zeigt.

Als erste Stadt in Tirol ließ Schwaz heuer ein hochauflösendes 3D-Stadtmodell anfertigen. „Man arbeitet in unserer Branche bereits seit über zwei Jahrzehnten an solchen Modellen. In den letzten zehn Jahren hat dieses Thema aber noch einmal so richtig Fahrt aufgenommen. Sowohl die Software als auch die vermessungstechnischen Instrumente haben sich enorm weiterentwickelt. Dadurch ist es uns jetzt möglich, unzählige Rohdaten zu sammeln, um auch große Gebiete zu erfassen“, erläutert Feldes. Für Gemeinden und Kommunen sind die Benefits eindeutig: Die gewonnenen Daten bilden die perfekte Grundlage für Analysezwecke, Stadtplanung oder um Infrastruktur zu verwalten. Das überzeugte auch die Zuständigen in Schwaz. Feldes und sein Team arbeiten bereits seit fünf Jahren an 3D-Modellen – bisher jedoch in deutlich kleinerem Maßstab: „Als die Stadträte darauf aufmerksam wurden, sind wir gemeinschaftlich zu dem Schluss gekom-men, dass so ein Modell von der gesamten Stadt zahlreiche Möglichkeiten eröffnet.

“Gesagt, getan. Und so wurde jeder Zenti-meter in Schwaz vermessen – von oben. „Dabei gab es zwei nötige Arbeitsschritte: Eine Drohne wurde mit einem Laserscanner ausgestattet, der sozusagen einzelne Punkte (in Summe mehrere Milliarden) erfasste. Und eine weitere hat zehntausende Fotos von der Stadt aufgenommen. Das sind die Rohdaten, mit denen wir dann weiterarbeiten“, so Feldes.

Die Drohnen waren rund 70 Flugstunden im Einsatz und starteten von 15 verschiedenen Standorten, um jedes Gebäude und jede Fläche zu erfassen. Dabei hatten Feldes und sein Team mit einigen Heraus-forderungen zu kämpfen: „Das Gelände in Schwaz ist topografisch sehr bewegt, einfach ausgedrückt uneben. Die Drohne muss aber immer im gleichen Abstand über die Gegend fliegen. Wenn sie erst einmal in der Luft ist, arbeitet sie zwar allein, letztlich ist es jedoch an uns, die genaue Flugroute zu bestimmen.“Die gesammelten Daten des Laserscanners führen die Vermessungsprofis am Computer zu einer Punktwolke zusammen. „Das Modell, das daraus entsteht, ist zunächst schwarz-weiß. Mit Hilfe der Fotos färben wir die Punktwolke ein und erhalten eine Stadtansicht, die ein bisschen an Google Earth erinnert“, erklärt Feldes.

Aus den Luftaufnahmen konnte das Team zudem ein Orthofoto von Schwaz erstellen. Dabei handelt es sich um eine maßstabsgetreue und verzerrungsfreie Abbildung der Erdoberfläche. „Mit einem Orthofoto können wir sowohl Distanzen messen als auch Positionen genau bestimmen. Dies in Kombination mit dem 3D-Stadtmodell eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Stadtplanung“, so der Geschäftsführer.

Die gesammelten Daten bilden die Grundlage für weitere Analysen und Pläne. „Bauprojekte werden künftig viel besser planbar. Wir können virtuell prüfen, ob ein Gebäude ins Stadtbild passt oder welche Flächen sich für neue Projekte am besten anbieten“, freut sich Feldes. Das ist aber noch längst nicht alles: „Mit der entsprechenden Software geben uns die gesammelten Daten noch viel mehr Informationen. Wir könnten Baumkataster erstellen und daraus Rodungs- oder Aufforstungskonzepte ableiten. Abflusssimulationen bei Starkregen, Beleuchtungskonzepte – das ist jetzt zwar noch Zukunftsmusik, aber da soll die Reise einmal hingehen.“

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