Bildnachweis: © Friedle

Image guided therapy

Das Tiroler Start-up iSYS positioniert OP-Instrumente automatisch

iSys

Das Tiroler Start-up iSYS positioniert OP-Instrumente automatisch. Für den US-Medtech-Konzern soll die iSYS-Technologie künftig Biopsien und die Tiefenelektrodenplatzierung in der Neurochirurgie unterstützen.
 

Als Michael Vogele 1994 für die Fortsetzung seines Medizinstudiums nach Innsbruck kam, lernte er den Mediziner Reto Bale kennen, mit dem er bald das Interesse für Navigationssysteme im operativen Bereich teilte. Aus dem Interesse und Basteleien in der eigenen Werkstatt entstand schon ein Jahr später das erste Patent für ein „medizinisches Navi“, eine Zielvorrichtung für ein Navigationssystem samt speziellem Fixiersystem für den Kopf, dem eines für den Körper und weitere Zielvorrichtungen folgten. Während Bale Equipment und Knowhow an der Klinik Innsbruck für die minimalinvasive Behandlung von Lebertumoren einsetzte und sich zu einem der führenden interventionellen Radiologen entwickelte, wählte Vogele einen anderen Weg: Er gründete 1995 ein Med-Tech Unternehmen, um die begonnenen Entwicklungen voranzutreiben, verkaufte dieses 2005 und begann Bildgebung und Navigation mit einer dritten Komponente zu kombinieren – der Robotik.
 

Eine Methode der Krebstherapie ist die sogenannte Radiofrequenzablation: Dazu werden dünne Nadeln in Richtung des Tumors in den Körper geschoben, durch diese wird eine Sonde geführt und der Tumor mit Wechselstrom punktgenau verödet. Voraussetzung ist die Kenntnis der Position des Tumors und des Weges dorthin sowie eine Zielvorrichtung, mit der die Nadel entlang dieses Weges geführt werden kann. Die Position wird im CT festgestellt, der exakt Weg dorthin vom Navigationssystem berechnet, die Zielvorrichtung händisch eingestellt. „Die logische Konsequenz war, diesen Schritt zu automatisieren“, benennt Vogele seine Idee, mit der er schließlich im Jahr 2010 das Unternehmen iSYS mit Sitz in Kitzbühel gründete: „CAST und die PreSeed-Förderung der aws waren quasi die Initialzündung dazu“, sagt der Mediziner, eine Seed-Förderung folgte, dazu auch Eigenmittel von Vogele und seinem Partner Thomas Pfeifer: „Wir haben uns mit Förderungen und einem Netzwerk von Privatinvestoren, einer sogar aus China, durchgekämpft.“ Schon 2012 gelang dem jungen Unternehmen die Zulassung für den ersten iSYS-Roboter, ein, so Vogele, „innovatives, kleines und kompaktes Robotersystem, das in den CT passt und die Instrumente schon während oder kurz nach der Bildgebung positioniert“. Den Roboter sieht er als Unterstützung des Operateurs, der nicht mehr „manuell und zeitaufwändig“ die Zielvorrichtung einstellen muss, aber weiterhin die Kontrolle über die OP hat: „Der Nadelvorschub erfolgt immer noch durch den Arzt.“
 

In der Zwischenzeit wurden 30 Roboter gebaut, 15 sind für Fluoroskopie und CT-Interventionen im medizinischen Einsatz. Um seine Vision der „image guided therapy“ weiter voranzutreiben, ist es Vogeles Plan, die iSYS Plattformtechnologie auch für andere Anwendungen einzusetzen. Auf der Suche nach einem Partner kontaktierte er auch den amerikanischen Med-Tech-Konzern Medtronic, „in den USA wollte ich ihnen eigentlich das Thema Radiologie schmackhaft machen“. Durch einen Zufall („Gleichzeitig war ein Wiener Neurochirurg bei ihnen.“) kam man auf das Thema Neurochirurgie und Robotertechnologie zu sprechen, einer kleinen klinischen Studie folgten ausführliche Verhandlungen und schließlich ein Vertrag zwischen Medtronic und iSYS: „Wir sollen den Roboter für den Bereich Neurochirurgie weiterentwickeln, speziell geht es um die Themen Biopsien und Tiefenelektrodenplatzierung.“
 

Für das Projekt gründete Vogele die Tochterfirma Micro Guided Systems und stockte das Mitarbeiterteam auf – zu zwölft wird an Soft- und Hardware gearbeitet, das iSYS-Know-how rund um Design, Zulassungsprozesse und Entwicklungsanforderungen soll in das neue Produkt einfließen. Dem andere Anwendungen folgen sollen, sagt Vogele, kann seine Technologie doch auch mit anderen Partnern für andere Anwendungen eingesetzt werden. Und das, so Vogeles Absicht, zu einem leistbaren Preis – „Was nützt eine tolle Technologie, die so teuer ist, dass sie nur in einigen wenigen Krankenhäusern der Welt eingesetzt werden kann?“
 

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Dieser Beitrag ist in der Sonderausgabe Start-ups des „Standort Tirol“ erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Start-up-Land Tirol können Sie hier nachlesen.

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