Autonomes Fahren

Hände weg vom Steuer - autonomes Fahren macht es möglich. Foto: iStock

Was bringt die Zukunft der Mobilitätsbranche?

Bei mehr als der Hälfte der Europäer wirft das Thema "autonomes Fahren" nicht nur Fragen, sondern auch Bedenken auf. Noch ist auch das Bild von einem vollkommen autonom gesteuerten Straßenverkehr mit Zukunftsmusik hinterlegt. Die Frage lautet: Wie lange noch?

Auf einzelnen Straßen ist es bereits möglich, dem Computer die vollkommene Kontrolle über das Auto zeitweise zu überlassen. Doch wie viel Potential steckt in der Digitalisierung des Automobilbereichs und was bedeutet das in naher Zukunft für Tirol?

Autonomes Fahren – Status Quo
2021 befinden wir uns bereits auf Stufe 4 von 5 in der Entwicklung hin zum autonomen Fahren. Mit Stufe 1 begann das assistierte Fahren und gehört fast schon zur Standardausstattung eines modernen Autos. Während das Fahrzeug noch vollkommen vom Menschen geführt und verantwortet wird, unterstützt der Computer bei Bedarf gewisse Prozesse automatisch, wie z.B. das Einhalten von Abstand und Spur. Mit teilautomatisiertem (Stufe 2) und hochautomatisiertem (Stufe 3) Fahren wurden stückweise weitere Vorgänge digitalisiert. Mit Stufe 4 wird der Mensch zeitweise zum Passagier: Bei Vorgängen, wie z.B. dem Einparken, übernimmt der Computer die Umsetzung. Bei der letzten Stufe, dem vollautonomen Fahren, gibt es keine Autofahrer mehr, sondern nur noch Passagiere – auch Fahren ohne Insassen ist möglich. Erste Modelle werden bereits getestet. Bis diese jedoch auch außerhalb der Testparcours autonom fahren dürfen, ist noch einiges zu tun.

Welche Vorteile bringt autonome Mobilität?
Eine vollkommene Automatisierung der Mobilität bringt Potentiale für gleich mehrere Lebensbereiche mit sich: So ermöglicht sie älteren und körperlich beeinträchtigten Menschen sich leichter und selbstständiger fortzubewegen. Lenker werden zu Passagieren und können die Fahrtzeit besser nutzen. Vor allem aber lassen sich Abläufe und Prozesse der Automobile sowie deren Einsatz effizienter gestalten. Damit wird nicht nur Zeit gespart, sondern auch Fortbewegungskosten und CO2-Abgase. Ebenso entsteht Potential Unfälle zu vermeiden. Mit Blick nach Tirol entwickelt sich mit der Automatisierung und Digitalisierung der Automobilbranche neue Möglichkeiten für Wirtschaft und Gesellschaft in Ballungszentren. Auch periphere Regionen können somit besser erschlossen werden.

Digitale Herausforderung autonomer Mobilität
Auf internationaler Ebene arbeiten die Riesen der Automobilbranche an der Entwicklung der 5. Stufe. Dies ist nicht nur sehr zeit- und kostenintensiv. Vor allem auf digitaler Ebene gilt es hier einige Hürden zu überwinden. Zuerst muss ein System entwickelt werden, dass jegliche Abläufe und Prozesse der Mobilität vollkommen beherrscht. Dieses soll auch jegliche Verkehrssituationen erkennen und verarbeiten, um in möglichst geringer Zeit eine entsprechende Reaktion abzuleiten. Nur so kann das autonome Fahrzeug bei partiellen Störungen oder Ausfällen noch ausreichend reagieren und funktionieren. Dadurch entsteht in Summe eine enormes Datenvolumen, das sowohl kompakt gespeichert als auch sehr schnell verarbeitet werden muss.

Veränderung des Marktes
Mit der Entwicklung hin zum autonomen Fahren unterliegt nicht nur die Automobilbranche einem (digitalen) Wandel, auch sämtliche damit verbundenen Märkte, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Das heißt, Versicherungen, Car-sharing Angebote, Reise- und Transportunternehmen, Straßennetzwerke, Tankstellen, usw. müssen ihr Angebot anpassen oder neu formulieren. Aber auch für den „sekundär“ betroffene Handel kann es hier zu neuen Anforderungen kommen. Wie schnell wird autonomes Fahren zukünftig zur Gewohnheit? Welche Alltagssituationen werden sich dadurch ändern? Welche Möglichkeiten entstehen durch die neu gewonnene Freiheit beim Fahren: Entertainment? Schlafmöglichkeiten? Drink and(!) drive? Diese und weitere Fragen gilt es zu beantworten.

Bis sich autonomes Fahren jedoch vollständig im Straßenverkehr durchgesetzt hat, werden noch einige Jahre vergehen. Prognosen zu Folge werden 2030 die ersten Autos mit Citypilot die Straßen erobern und erst 2040 ein ernsthaftes Thema der Automobilbranche sein. In Deutschland ist seit Mai 2021 die grundlegende Rechtslage dazu geklärt. In Österreich und somit auch Tirol fehlt bis dato noch die Gesetzgrundlage, die autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr erlaubt.

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